Deutscher Hörbuchpreis 2005 in der Kategorie »Beste Unterhaltung«

Gefahr ist ihr Geschäft
Raymond Chandler
»DER >AUDIO< VERLAG«, Berlin

Der Preis wird verliehen an den Bearbeiter und Regisseur Hermann Naber.

Wer Raymond Chandler (1888-1959), dem Klassiker der amerikanischen Kriminalliteratur, hierzulande im Radio begegnet ist, der hat ihn in den akustischen Inszenierungen Hermann Nabers kennengelernt. Seit den sechziger Jahren adaptierte Naber Chandlers Kriminalerzählungen, die sich durch ihre literarischen Qualitäten und realistischen Gesellschaftsbilder als Alternative zum konventionellen Rätselkrimi empfahlen. Auch die erzählerischen Merkmale von Chandlers Prosa – prägnante Dialoge, markante Erzählerfiguren, wenig Action – erwiesen sich im akustischen Medium als wirkungsvoll.

Die Hörbuch-Kassette versammelt zehn Chandler-Adaptionen – die früheste von 1969, die späteste von 1999 –, darunter so berühmte Stories wie »Die Tote am See« und »Mord im Regen«. Sie präsentiert zugleich eine Galerie von Detektiv-Interpreten, von Arnold Marquis über Hans Peter Hallwachs und Christian Brückner bis Ulrich Pleitgen.

Aus der Begründung der Jury:
Die Hörspiele, die Hermann Naber vor allem aus einigen Kriminal-Stories von Chandler gemacht hat, arbeiten das Doppelgesicht in Chandlers Prosa heraus: Ihre so lakonische wie unpathetische Gesellschaftskritik und die neue Geographie des Abenteuers, die sich zwischen Nachtclub und Luxusvilla, schäbigen Hotels und eleganten Büros erstreckt, sind in diesen Hörspielen zu akustischen Bildern und großer Dichte ausgemalt. Ihren Teil daran haben natürlich auch die sorgfältig ausgewählten und vielfach inzwischen zu Meistern des Hörbuch-Genres aufgestiegenen Sprecher wie Otto Sander, Matthias Ponnier, Ulrich Pleitgen oder Christian Brückner. Auch die Auffassung vom Hörspiel hat sich in diesen 30 Jahren bedeutend verändert, und so werden wir auch Ohrenzeugen eines Stücks Hörspielgeschichte. Wobei freilich die große Kunst des Regisseurs in der gleichbleibenden Werk-Treue begründet ist. Naber ist es gelungen, die berühmten Chandler-Dialoge in lebendige Sprache zu übersetzen, sie also aus der stilisierten Schriftlichkeit, die jede wörtliche Übernahme zum Scheitern verurteilt hätte, in die natürliche Mündlichkeit zu versetzen, ohne dass ihre Kennzeichen – Gedrängtheit, Doppeldeutigkeit, Schmucklosigkeit, Ungerührtheit, Mischung der Sprachebenen – dabei verloren gegangen wären. Ein besonderes Lob verdient das Beiheft, das über Autor und Stoffe, über Regisseur und Sprecher wünschenswert ausführlich informiert und durch Szenenbilder aus berühmten Verfilmungen (mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall) auch unsere einschlägigen Erinnerungsbilder höchst lebhaft stimuliert.

Hermann Naber, geb. 1933, war von 1962 bis 1965 Hörspieldramaturg beim Hessischen Rundfunk. Von 1965 bis 1998 leitete er die Hörspielabteilung des Südwestfunks Baden-Baden, wo er bei zahlreichen Hörspielproduktionen auch Regie führte. Bis 1998 war er außerdem Sekretär des Karl Sczuka-Preises für Hörspiel als Radiokunst. Hermann Naber lebt als freier Autor und Regisseur in Baden-Baden.

Hermann Naber

 

Die Laudatio auf Hermann Naber hält der Schauspieler Leonard Lansink.

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