Nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2018 in der Kategorie
»Bestes Hörspiel«

Dienstbare Geister
Paul Plamper (Buch und Regie)
Hoerspielpark/ WDR, BR, DLF Kultur, MDR, Ruhrtriennale 2017 / Gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW
Hörbeispiel:

Kurzbeschreibung:
Zwei gegenläufige Migrationsbewegungen, die genau einhundert Jahre auseinanderliegen, verschränkt das Hörspiel in parallel montierten Erzählsträngen: 1905 wandert eine mittellose junge Berlinerin in die deutsche Kolonie Kamerun aus und erlebt einen sozialen Aufstieg auf Kosten der einheimischen Nachbarn und Bediensteten. 2015 bricht ein perspektivloser junger Mann aus Kamerun nach Deutschland auf, wo er sich dank Selbstausbeutung eine feste Stelle erkämpft, aber zunehmend die Verbindung zu seiner Heimat verliert. Eines Tages soll er seiner Chefin einen Dienst erweisen und gegen seinen Willen einen Auftrag in Kamerun übernehmen. In der auf der Ruhrtriennale 2017 erstmalig präsentierten Audio-Installation werden die beiden Geschichten zeitgleich in zwei nebeneinander liegenden Räumen erzählt. Das Publikum teilt sich und wechselt nach dem ersten Durchlauf den Raum, um die andere Zeitebene zu hören. Der jeweilige Nebenraum macht sich immer wieder akustisch bemerkbar. Die Kolonialzeit greift wie ein Poltergeist ins Heute, umgekehrt hört man in der Kolonialgeschichte Vorboten einer Zukunft, die an heute erinnert.

Begründung der Preisträgerjury:
Paul Plamper ist ein Menschenkenner und genauer Beobachter. Deshalb ist es nicht allein das herausragende, spielfreudige Ensemble, das dieses Hörspiel trägt. Sondern es sind auch die subtilen Details, die entlarvende Wortwahl in den punktgenauen Dialogen und die vielsagenden Auslassungen, durch die Geschichte und Gegenwart der Migration zwischen Deutschland und Afrika erlebbar werden. Ein zeitloses Stück Zeitgeschehen.

Begründung der Nominierungsjury:
Paul Plampers Hörspiel konfrontiert uns damit, wie am deutschen Wesen die Welt genesen soll. Er erzählt von der Ausbeutung der dienstbaren Geister aus Kamerun, die 1905 und 2015 mit erstaunlich ähnlichen Argumenten gerechtfertigt wird. Durch die herausragende schauspielerische Leistung des Ensembles werden die vielschichtigen Subtexte und Narrative (post-)kolonialistischer Konflikte bis in die Mikrostrukturen der Kommunikation hörbar gemacht.

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