Deutscher Hörbuchpreis 2021 in der Kategorie »Bester Interpret«

Ist das ein Mensch?
Primo Levi (übersetzt von Heinz Riedt)
Der Audio Verlag/ NDR
Preisträger bester Interpret: Alexander Fehling
Hörbeispiel:

Kurzbeschreibung:
Primo Levi hat Auschwitz überlebt. Sein erschütternder Bericht „Ist das ein Mensch?“, geschrieben unmittelbar nach seiner Befreiung und Rückkehr nach Turin, gehört zu den wichtigsten Zeugnissen des Holocaust. Mit dem kühlen, präzisen Blick eines Naturwissenschaftlers schildert Levi den täglichen Überlebenskampf im Vernichtungslager. Umso unmittelbarer teilen sich das unerträgliche Leid der Gefangenen und die Unmenschlichkeit des Systems dem Leser mit.

Begründung der Preisträgerjury:
In diesem Hörbuch verschmilzt Alexander Fehling nahezu mit dem Autor. Er liest den autobiografischen Text vom täglichen Überlebenskampf und Horror unaufgeregt, mit großer Genauigkeit und ohne jegliches Pathos. Fehling schafft es in diesem Zeugnis des Holocaust, immer den richtigen Ton zu treffen, er stellt sich hinter den Text und lässt ihn für sich wirken. So entsteht eine Lesung, die einen lange nicht loslässt und viel Raum für die Unfassbarkeit der Geschichte gibt. Ein Ausnahmestück in Text und Interpretation.

Begründung der Nominierungsjury:
Ganze 474 Minuten lang liest Alexander Fehling mit der gebotenen Sachlichkeit, bisweilen tonlos zurückhaltend, bisweilen einfühlsam und ohne jegliche pathetische Larmoyanz den ungekürzten, sachlich berichtenden Text. Das lässt den Horror des Überlebenskampfs des Häftlings 174517 besonders eindringlich hervortreten. Dabei gibt Fehlings warme Stimme den literarischen Qualitäten des Textes, der Mischung aus Lakonie, Komik und Psychologie, die nötige Tiefe.

Alexander Fehling wurde 1981 in Berlin geboren. Nach dem Abschluss an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin wirkte er in mehreren Theaterstücken mit. In Robert Thalheims "Am Ende kommen Touristen" (2007) spielte Alexander Fehling einen Zivildienstleistenden in Auschwitz und erhielt für seine Rolle den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie Schauspiel.

2009 wirkte Fehling in Hans-Christian Schmids Kriegsverbrecherdrama "Sturm" mit, internationale Beachtung fand seine Rolle in Quentin Tarantinos Kinohit "Inglourious Basterds" (2009). Philipp Stölzls "Goethe!" (2010) machte Alexander Fehling endgültig zum Star. Für seine Hauptrolle wurde er für den Deutschen Filmpreis nominiert, erhielt den Jupiter Award in der Kategorie bester Darsteller Deutschland und den Deutschen Regiepreis Metropolis. Zudem wurde er im Rahmen der Berlinale 2011 als einer der Shooting Stars des europäischen Films ausgezeichnet. Im Wettbewerb der Berlinale lief auch Andres Veiels "Wer wenn nicht wir", in dem Alexander Fehling die Rolle des RAF-Terroristen Andreas Baader spielte. Es folgte eine Hauptrolle in Toke Constantin Hebbelns Drama "Wir wollten aufs Meer" (2012). 2014 wurde er für die Hauptrolle in dem international vielfach beachteten Film "Im Labyrinth des Schweigens" mit dem Bayerischen Filmpreis geehrt.

Mit großem Erfolg gehörte Alexander Fehling überdies zum Ensemble der fünften Staffel der Sensationsserie „Homeland“ mit Claire Danes und Mandy Patinkin und stand 2016 unter der Regie von Terrence Malick für "A Hidden Life" vor der Kamera. 2017 sah man Fehling in Matti Geschonnecks "In Zeiten des abnehmenden Lichts" an der Seite von Bruno Ganz sowie in Jan Zabeils "Drei Zinnen", der beim 70. Locarno Filmfestival mit dem begehrten Variety©-Piazza Grande Award ausgezeichnet wurde. Außerdem war er im gleichen Jahr im Schauspiel Frankfurt unter der Regie von Ulrich Rasche mit „Sieben gegen Theben/Antigone“ auf der Bühne zu sehen. Für seine Rolle in Robert Schwentkes "Der Hauptmann" erhielt Alexander Fehling 2018 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis (Beste männliche Nebenrolle) und war in der Amazon Prime-Serie „Beat“ zu sehen.

Zuletzt stand Alexander Fehling am Burgtheater Wien auf der Bühne, in Andrea Breths Inszenierung von „Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Eine weitere besondere Ehre wurde ihm 2019 zuteil. Für seine Nebenrolle in Philipp Leinemanns Politthriller "Das Ende der Wahrheit" (2018) wurde Fehling mit dem Deutschen Filmpreis prämiert. 2019 folgte die männliche Hauptrolle in "GUT GEGEN NORDWIND", der Leiwandwandadaption von Daniel Glattauers Bestseller-Roman.


Alexander Fehling © Marla Respondek

 

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