Deutscher Hörbuchpreis 2021 in der Kategorie »Bestes Hörspiel«

Die Enden der Parabel
Thomas Pynchon (übersetzt von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz) / Klaus Buhlert (Regie)
Hörbuch Hamburg / SWR, DLF
Musik: Klaus Buhlert
Hörbeispiel:

Kurzbeschreibung:
Parabelförmig ist die Flugbahn zwischen zwei Punkten, also auch die Flugbahn der deutschen V-Waffen im Zweiten Weltkrieg, deren Entwicklung und Einsatz nur einen der zahllosen Handlungsstränge in Thomas Pynchons Hauptwerk ausmacht. Inwiefern das rätselhafte Schicksal des in London stationierten GIs Tyrone Slothrop mit der V2 zusammenhängt, findet jener auf einer abenteuerlichen Reise nach Deutschland heraus, das nach Kriegsende in Anarchie und Paranoia versinkt.

Begründung der Preisträgerjury:
Wenn am Ende ihres Parabelfluges eine V2-Rakete bei ihrem Aufschlag in einem schwerkraft-induzierten Regenbogen explodiert, dann ist das Hörspiel auf mehrere Weisen herausgefordert. Regisseur und Bearbeiter Klaus Buhlert findet für Thomas Pynchons Roman eine eigene Klangsprache jenseits des Illustrativen und eröffnet surreale akustische Räume. Mit seinem prominent besetzten, spielfreudigen Ensemble schafft er einen Erzählfluss, der den 1200-seitigen Roman auf 13 Stunden verdichtet.

Begründung der Nominierungsjury:
Buhlerts Herkulesarbeit ist an Kühnheit, Prägnanz und Leichtigkeit nicht zu übertreffen. Er übersetzt diesen hochkomplexen Roman ins absolut Akustische, findet neue Struktur im Handlungschaos, erfindet eine Soundspur, die das Wesen der Vorgänge aufdeckt oder konterkariert, und transponiert den Text über eine dystopische Welt undurchschaubarer Paranoia als schockierend heutige Bestandsaufnahme in die Gegenwart. Welch hellsichtige Genauigkeit im Erzählen, welche Meisterschaft in der Konturierung der Charaktere, der Rhythmisierung und musikalischen Farbgebung! Ein Meister der großen akustischen Erzählung auf der absoluten Höhe seiner Kunst.

Klaus Buhlert, geboren 1950 in der DDR, studierte Musik, Akustik und Informatik in Berlin und Cambridge (USA). An der TU Berlin lehrte er elektronische Musik und Computer-Musik. Seine erste Bühnenmusik schrieb er 1983 für George Tabori. Viele seiner über 80 Kompositionen für Theater, Film und Hörspiel wurden ausgezeichnet. Nachdem er bereits zu den begehrtesten Komponisten der Hörspielszene gehörte, begann er selbst Hörspiele zu inszenieren. Sein Hörspielregiedebüt, »Hotels« von Raoul Schrott (BR), wurde 1995 zum Hörspiel des Jahres. Außerdem führte er u. a. Regie bei der Hörbuchedition zu Robert Musils »Der Mann ohne Eigenschaften«, dem vielfach ausgezeichneten Hörspielopus »Moby-Dick oder Der Wal« von Herman Melville und den beiden Kafka-Hörspielen »Der Process« sowie »Das Schloss«. Zuletzt machte er sich mit der Umsetzung von James Joyce’ »Ulysses« einen Namen, einem Hörspiel-Großprojekt des SWR, bei dem Buhlert die Bearbeitung, die Regie und die Musik übernahm. Für sein akustisches Gesamtwerk wurde ihm 2017 der renommierte »Ehrenpreis der Deutschen Schallplattenkritik« verliehen. Klaus Buhlert lebt als Komponist, Regisseur und Autor in Berlin. Mit der Bearbeitung und Inszenierung von Thomas Pynchons Roman »Die Enden der Parabel« war er zweieinhalb Jahre beschäftigt.


Klaus Buhlert © Aberghaeuser

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