Kurzbeschreibung:
Semiya ist vierzehn Jahre alt, Gamze zwanzig, als ihre Väter von der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) ermordet wurden. Wie die beiden in Deutschland aufgewachsenen Frauen Schmerz, polizeiliche Vorverurteilung und öffentliches Desinteresse erlebt, aber aus diesen Erfahrungen auch eine ungeheure Kraft entwickelt haben, erzählen sie, jahrelang behutsam begleitet und interviewt von Christine Werner, in diesem Hörbuch.
Begründung der Preisträgerjury:
Dieses Hörbuch MUSSTE gewinnen. Weil es wichtig ist. Weil es dem rechten Auge die Sehkraft wiedergibt. Weil es den Finger in die Wunde des Staatsversagens legt. Weil sich die Sprecherinnen Pegah Ferydoni, Aysima Ergün und Elisabeth Günther so glaubhaft in die Protagonistinnen verwandeln. Weil die Hörenden dabei sind, wie auf dem Boden unermesslichen Schmerzes eine Seelenfreundschaft wächst: zwischen Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek, die sich ihrer Geschichte tapfer stellen. Und weil die Co-Autorin Christine Werner eine so behutsame Begleiterin dessen war. Weil spürbar wird, dass die Arbeit an diesem Hörbuch das gesamte Team zu Freund:innen werden ließ. Vor allem aber, weil es die Erinnerung an die durch den NSU ermordeten Menschen hochhält: an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und an Michèle Kiesewetter.
Begründung der Nominierungsjury:
Eine tief bewegende dokumentarische Erzählung mit emotionaler Wucht: Das Schicksal der beiden Frauen, die ihre Väter durch rechten Terror verloren, lässt die ganze Tragik und das Versagen der Justiz greifbar werden. Persönliche Erinnerungen, aufgezeichnete Gespräche und Chatprotokolle bilden ein Plädoyer, wachsam gegen rechts zu bleiben. Neben den Autorinnen, die das Vor- und Nachwort sprechen, ist ein herausragendes Sprecherinnenensemble zu hören, das authentisch und unmittelbar das Schicksal der beiden Frauen lebendig werden lässt.