Deutscher Hörbuchpreis 2026 in der Kategorie »Bestes Hörspiel«

Die Erschöpften
Oliver Sturm (Buch und Regie)
Norddeutscher Rundfunk / Deutschlandfunk
Musik: Andreas Bick
Hörbeispiel:

Kurzbeschreibung:
Deutschland im Jahr 2026: Das neue Urlaubsgewährungsgesetz verlangt ein ärztliches Attest von jedem Urlaubswilligen. Denn ein Großteil der Deutschen ist zu erschöpft, um sich überhaupt noch erholen zu können. So auch Sven Schmitz, dem eine bizarre Kur in einer „Pre-Holiday-Klinik“ verordnet wird, um seine Urlaubsfähigkeit wiederherzustellen. Im „Haus Müßiggang“ trifft er auf eine Gemeinschaft von lauter Spinnern, mit denen er natürlich nicht das Geringste gemein hat. Oder doch?

Begründung der Preisträgerjury: 
Autor und Regisseur Oliver Sturm ist eine vielschichtige, äußerst humorvolle Gesellschaftssatire gelungen zu der großen Frage danach, wie wir leben wollen. In „Die Erschöpften“ sind alle erschöpft, allen voran Sven Schmitz, großartig, urkomisch gespielt von Tom Schilling. Im Sanatorium „Haus Müßiggang“ lernt er in einer therapeutisch begleiteten Simulation von Urlaub, wie er aus seinem Kontroll- und Optimierungswahn herauskommt: Baden ist eine tolle Sache, ob im Wald oder Bergsee, eine erotische Verwicklung scheint ebenfalls hilfreich, um erneut Lebenslust zu entwickeln. Und vielleicht ist die skurrile Gemeinschaft in der Klinik, gespielt von einem hervorragenden Sprecherensemble, sogar weniger verrückt als alles außerhalb? Man wähnt sich auf Thomas Manns Zauberberg – nicht zuletzt dank der subtilen, originellen Musik und eines Sounddesigns, das augenzwinkernd auch den Wahnsinn der alltäglichen Dauerbefeuerung thematisiert. Auch so geht Lebensfreude. 

Begründung der Nominierungsjury:
Das Originalhörspiel trifft ins Mark unserer überforderten Gegenwart. Es zelebriert das Thema Selbstoptimierung in einer erschreckend unterhaltsamen Weise – absurd, ohne albern zu wirken, und beklemmend realistisch, fast wie ein Mitschnitt, so als wäre diese Zukunft schon ganz nah. Getragen von einem herausragenden Tom Schilling als Sprecher des Protagonisten verwebt die Inszenierung komplexe Handlungsstränge zu einem regelrechten Sog. Musik, Geräusche, Atmo, Sprecher, Skript, Regie: von vorne bis hinten perfekt!

Oliver Sturm, geboren 1959, promovierte in Literaturwissenschaft, arbeitete zunächst als Lektor und Journalist und inszenierte Off-Opern in Berlin. Nachdem er am SWF Dramaturg der Hörspielserie "Der Herr der Ringe" war, arbeitete er als Dozent für Literatur- und Theaterwissenschaft an der Universität Hannover und der Humboldt Universität Berlin. Anschließend war er Ballettdramaturg an der Deutschen Oper am Rhein und der Deutschen Oper Berlin. 1994 veröffentlichte Oliver Sturm "Der letzte Satz der letzten Seite ein letztes Mal", eine Studie über das Spätwerk Samuel Becketts. 1996 übersetzte er Lewis Carrolls "The Hunting of the Snark: Die Jagd nach dem Schnatz". Seit 1996 arbeitet er als freier Regisseur, insbesondere bei zahlreichen und vielfach preisgekrönten Hörspielproduktionen der ARD, u.a. bei "Jeff Koons" von Rainald Goetz (NDR 1999), der Hörspielserie "Crazy Times" von C.D. Payne (SWR 2000), "Immer dein, tuissimus - Ein Kapitel aus Dream" von Samuel Beckett (HR 2006), „Evangelium Pasolini“ gemeinsam mit Arnold Stadler (HR/DLF 2016), "Die Umsiedler" von Anna Pein nach einem Roman von Arno Schmidt (NDR/WDR 2017), "Der große Gatsby" nach F. Scott Fitzgerald (NDR 2023) und zuletzt die Serie „Die Erschöpften“ (NDR/DLF 2025). Oliver Sturm lebt in Berlin.


Oliver Sturm @ Andreas Rehmann

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